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Alternative Medizin oder Schulmedizin?
Alternative Heilverfahren anstatt Schulmedizin?
Beim Kaffeeklatsch erzählt eine Besucherin:
»Seit Jahren habe ich ein Hautekzem
und mein Homöopath hat mir schon dieses und jenes empfohlen,
aber es hat alles nichts genützt. «
Die Gastgeberin: »Und was sagt der Dermatologe? «
Die Besucherin: »Beim Dermatologen war ich nicht. «
Risiken alternativer Heilverfahren
Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften warnt:
»Bei unkonventionellen Verfahren besteht die Gefahr,
daß durch ihre Anwendung Patienten zu Schaden kommen.
Hier sind einerseits direkte Schäden zu befürchten:
Arsenbelastung in der Homöopathie,
Verletzungen und Infektionen durch Akupunktur,
allergischer Schock bei oder nach einer Zelltherapie.
Bei der Ozontherapie und der Zelltherapie sind Todesfälle bekannt geworden.
Zum anderen liegen aber Gefahren darin, daß wirksame Behandlungsmethoden versäumt werden,
weil man sich auf ungeeignete Verfahren verläßt, und darin,
daß falsche Diagnosen gestellt werden und so Patienten geängstigt
und durch inadäquate Behandlung gefährdet werden. «
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Besondere Vorsicht ist geboten,
wenn alternative Verfahren zur Heilung von schweren Krankheiten
und ohne gleichzeitige fachärztliche Betreuung eingesetzt werden.
In Ausnahmefällen mag der Einsatz als Placebo (=Scheinmedikament) sinnvoll sein.
Wer aber anstelle von wissenschatlich belegten Medikamenten oder Verfahren
bevorzugt Humbug anbietet, ist entweder inkompetent oder unseriös.
Schulmedizin ist geprüfte Medizin
Die sogenannte Schul- oder Universitätsmedizin bedient sich wissenschaftlicher Methoden,
um ihre Verfahren zu finden, zu überprüfen und zu verbessern.
Um wirksame von unwirksamen Verfahren zu unterscheiden, sind gründliche Studien nötig.
Zum Beispiel wird der Nutzen eines neuen Medikaments geprüft,
indem man freiwillige Teilnehmer per Los (=randomisiert) auf zwei Gruppen aufteilt:
Die eine Gruppe erhält das neue Medikament,
die andere ein älteres, oder eine Scheintherapie (=Placebo).
Anhand der Ergebnisse wird statistisch geprüft,
ob das neue Medikament mehr als zufällig häufiger besser wirkt
als die Vergleichsbehandlung.
Um Einflüsse des Vertrauens in die Behandlung
und absichtliche oder unabsichtliche Manipulationen zu vermeiden,
wird das Experiment wenn möglich so durchgeführt,
dass während der Studie weder Ärzte noch Patienten wissen (=doppelblind),
welcher Patient das neue und welcher das Vergleichsmedikament erhält.
Durch solche kritische Prüfungen ist es der wissenschaftlichen Medizin immer wieder gelungen,
neue erfolgreiche Behandlungsmethoden zu integrieren und etablierte Methoden weiter zu verbessern.
Weshalb empfehlen Ärzte und Apotheker alternative Heilverfahren?
In manchen Fällen ist die Anwendung von alternativen Heilverfahren angezeigt oder vetretbar.
Diese Fälle werden weiter unten aufgeführt.
Aufgrund der staatlichen Preisbindung im Bereich der wissenschaftlichen Medizin
ist es für Ärzte und Apotheker von Vorteil, alternative Verfahren anzubieten,
die keiner Preisbindung unterliegen.
Manche Krankenkassen übernehmen die Kosten für alternative Verfahren im Rahmen teurerer Tarife,
zur Werbung oder aus juristischen Gründen.
Die Anwendung alternativer Verfahren kann die Kosten verringern,
wenn Patienten auf schulmedizinische Behandlung verzichten.
Richtungen der alternativen Medizin (=Komplementärmedizin)
Es gibt hunderte alternative Heilmethoden,
die nicht wissenschaftlich bestätigt sind.
Es seien hier nur die bekanntesten genannt:
Akupunktur,
Anthroposophische Medizin,
Aromatherapie,
Ayurveda,
Bach-Blütentherapie,
Bioresonanztherapie,
Chiropraktik,
Erdstrahlen-Abwehr,
Frischzellentherapie,
Heilfasten und Entschlacken,
Hildegard-von-Bingen,
Homöopathie,
Irisdiagnostik,
Magnetfeldtherapie,
Ozontherapie,
Reiki,
Schüßler-Salze,
Traditionelle Chinesische Medizin (TCM),
Trennkost.
Diese und noch mehr Verfahren finden Sie zusammen mit Bewertungen im Handbuch
"Die Andere Medizin" der Stiftung Warentest.
Ein erster Anhaltspunkt ist auch die Liste von alternativmedizinischen Methoden bei Wikipedia.
Einige Wikipedia-Artikel zu alternativen Behandlungsmethoden enthalten keine ausführliche Kritik,
weil sie von Anhängern der jeweiligen Methode dominiert werden.
Woran erkennt man ein zweifelhaftes Heilverfahren?
- Das Verfahren wird als Alternative zur Schulmedizin dargestellt.
- Die wissenschaftliche Medizin wird abgelehnt.
- Es beruft sich auf einen Gründer, dem eine besondere Einsicht,
Erleuchtung oder Erkenntnisfähigkeit zugeschrieben wird.
- Das Verfahren beruft sich auf traditionelle oder magische Heilansätze.
- Die Anhänger sind sektenartig organisiert und haben nur wenig Kontakt zur Universitätsmedizin.
- Das Verfahren wird häufig von Heilern eingesetzt,
die keine, keine anerkannte oder nur eine kurze medizinische Ausbildung haben.
- Zur Diagnose von Krankheiten werden nicht die in der Medizin üblichen
bildgebenden Verfahren, Laboruntersuchungen oder Tests eingesetzt.
- Es wird behauptet, die Ursache aller Krankheiten zu kennen.
- Heilung oder Besserung aller Krankheiten wird versprochen.
- Als Beleg werden einzelne herausragende Heilerfolge genannt.
- Einschränkungen, Nebenwirkungen oder Misserfolge werden verschwiegen und bestritten.
- Es wird behauptet, dass die Behandlung nur wirkt,
wenn der Patient wirklich wünscht, geheilt zu werden.
- Eine Überprüfung durch wissenschaftliche Studien wird abgelehnt.
- Es wird Wissenschaftlichkeit behauptet, ohne Belege erbringen zu können.
- In anerkannten medizinischen Zeitschriften finden sich keine
Studien über die Methode oder nur wenige kleine Studien.
Oder es finden sich überwiegend Studien, die keine Wirksamkeit finden konnten.
- In anerkannten medizinischen Zeitschriften wird das Verfahren überwiegend kritisch
oder gar nicht kommentiert.
- Von wissenschaftlich anerkannten Autoren oder Institutionen gibt es
keine positiven Reviews, Metaanalysen oder Leitlinien.
- Das Verfahren wird nicht an Universitäten gelehrt und wird von den meisten Fachleuten abgeleht.
- Die meisten Krankenkassen finanzieren es nicht.
Wann sind alternative Heilungsansätze vertretbar?
- In jedem Fall sollte der Patient von einem Facharzt gründlich untersucht
und über alle schulmedizinischen Behandlungsoptionen aufgeklärt werden.
Der zweifelhafte Status der alternativen Heilmethode,
die geringen Aussichten auf Behandlungserfolg, Kosten, Nebenwirkungen, Risiken und Alternativen
sollten gründlich mit einem Facharzt diskutiert sein.
- Im Rahmen einer wissenschaftlicher Studie
die von einer wissenschaftlich anerkannten seriösen Institution
(z.B. Universität oder Krankenhaus) durchgeführt oder überwacht wird.
Eine Ethikkomission von Fachleuten (z.B. Ärzte und Statistiker),
deren Mitglieder namentlich bekannt sind, muss der Studie zugestimmt haben.
Studiendesign, Datenerhebung und Auswertung
müssen wissenschaftlichen Kriterien entsprechen.
Der Patient hat die Gelegenheit mit Mitgliedern
der kontrollierenden Institution über die Studie zu sprechen.
- Bei leichten Befindlichkeitsstörungen (als Placebo),
sofern auch nach gründlicher fachärztlicher Untersuchung
keine medizinische Ursache für die Störung gefunden werden konnte
und wenn es keine wissenschaftlich anerkannte Behandlungsoption
und kein besseres Placebo gibt.
- Bei schweren und besonders belastenden Erkrankungen
bei gleichzeitiger Ausschöpfung aller schulmedizinschen, psychologischen und psychiatrischen Optionen,
wenn zu erwarten ist,
dass sich die psychische Situation des Patienten durch Anwendung der alternativen Methode verbessert
und sofern es kein besseres Placebo gibt.
- Bei erwachsenen mündigen Patienten,
die auch nach gründlicher und kritischer Aufklärung auf Anwendung der Methode bestehen.
- Ohne dass die Heilung einer Krankheit erwartet, behauptet oder angestrebt wird,
im Erlebnis- oder Wellness-Bereich, sofern die Methode keine unvertretbaren Risiken mit sich bringt.
Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker
Ich bin kein Arzt und habe weder Medizin noch Pharmazie studiert.
Ich bin Diplom-Psychologe. Für eine medizinische Dissertation hat mir die Charité Universitätsmedizin Berlin
2006 den akademischen Grad eines Doctor rerum medicarum verliehen.
Alle meine Artikel zu Gesundheitsthemen sind meine persönliche Sicht.
Sie sind KEINE medizinische Beratung,
sondern sollen zum Lesen von medizinischen Fachbüchern und Artikeln anregen.
Wenden Sie sich mit Krankheiten in jedem Fall an einen Arzt!
Befragen Sie diesen zu allem, was mit Ihrer Erkrankung zu tun hat.
Und informieren Sie Ihren Arzt auch über alternative Behandlungen, die sie selber durchführen oder
durchführen lassen.
Internet-Links zur alternativen Medizin
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ALF © 3.12.2005, Update 11.10.2007 
So verblendet ist der Menschen Sinnesart,
dass alles Dunkle eher von ihnen geglaubt wird.
Publius Cornelius Tacitus zitiert nach Michel de Montaigne | |